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Schwarz, an den nordöstlichen Ausläufern des Vogelsberges gelegen, kann auf eine über 750-jährige Geschichte zurückblicken. Die Wurzeln des Siedlungsbeginnes um Schwarz liegen jedoch viel weiter zurück.

Frühe Besiedlung

Die ersten Zeugnisse, die auf eine Anwesenheit von Menschen schließen lassen, sind ein Altarstein und die vielen Hügelgräber in den umliegenden Wäldern. Der Stein, auch Menhir oder Hinkelstein genannt, diente vermutlich um 2000 v. Chr. den Menschen der Jungsteinzeit als Kultstätte. Er wird dementsprechend Megalithkultur zugerechnet, zu der beispielsweise auch das in gleicher Zeit entstandene Stonehenge in England gehört. Die Hügelgräber wurden zwischen 1600 und 800 v. Chr. von den Hügelgräberbronzeleuten angelegt. Bei einer Graböffnung Anfang dieses Jahrhunderts wurden darin Schmuck und Waffen, sowie eine Frauen- und eine Kinderleiche gefunden.

Suarzaha

Aus der anschließenden Eisenzeit liegen uns keine Funde vor. Die Kelten, die als Träger der eisenzeitlichen Kultur angesehen werden, drangen um 400 v. Chr. von Süden her bis weit in das hess. Bergland vor. Sie wurden jedoch von dem hier ansässigen germanischen Stamm der Chatten wieder verdrängt. Geblieben ist jedoch der keltische Name für das Bächlein, das den Ort durchfließt: "Suarzaha" – Schwarza.

Die römische Zeit

Der nun folgende Zeitabschnitt um die Jahrtausendwende ist stark von der römischen Expansion geprägt. Die Römer, die sich bereits links- und südrheinisch fest etabliert hatten, versuchten auch im germanischen Gebiet fußzufassen. Bei ihren Feldzügen und Strafexpeditionen konnten sie bis an den Vogelsberg vordringen, sich hier niederzulassen gelang ihnen jedoch nicht. Vorwiegend der auch hier ansässige Stamm der Chatten leistete erbitterten Widerstand. Nach der für die Römer verheerenden Varus-Schlacht im Teuteburger Wald (9 n. Chr.) gaben die Römer das Gebiet rechts des Rheins auf.

Die Franken

Ab dem 3. Jahrhundert begannen mehrere germanische Stämme aus der Gegend des Mittel-/Niederrheins, die unter dem Namen Franken zusammengefaßt wurden, ihr Herrschaftsgebiet auf das sich in Auflösung befindende römische Reich auszudehnen. Dem Merowinger Chlodwig, der 498 zum christlichen Glauben übertrat, gelang es, das fränkische Herrschaftsgebiet vom Atlantik und den Pyrenäen bis zum Main-Donau-Raum auszudehnen. Bald nach Chlodwigs Tod begannen jedoch, bedingt durch das Prinzip der Herrschaftsteilung, Machtkämpfe mit dem erstarkten Adel das Reich zu schwächen. Dem König entglitt die Macht durch weitreichende Zugeständnisse an den Grundbesitzadel mehr und mehr zugunsten der Hausmeier (Majordomus). Diese, ursprünglich nur Vorsteher des Hofes, hatten bald de facto die größte Macht im Reich. Dem Hausmeier Karl Martell (Beiname "Hammer", wg. seiner Härte) gelang es Anfang des 8. Jh., nach schweren inneren und äußeren Kämpfen (Sieg gegen die Araber), die Einheit des Reiches wiederherzustellen, jedoch ohne die Königswürde anzunehmen. Dies tat jedoch dessen Sohn Pippin d. J., der damit das karolingische Herrschaft begründete, die in seinem Sohn Karl d. Großen, und dessen Krönung zum Kaiser (800) seinen Höhepunkt fand. Das Gebiet der "Buchonia", das Buchenland, wurde von Karl d. Großen des öfteren als Aufmarschgebiet gegen seinen großen sächsischen Widersacher Widukind, den er 785 besiegen konnte.
Für Schwarz hatte die fränkische Herrschaft auch insofern Bedeutung, als durch sie eine erste Verwaltungsstruktur mit der Aufteilung des Reiches in Zenten, Hunderschaften und Gauen erfolgte. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Gau, etwa dem Hessengau, ist für Schwarz jedoch nicht exakt zu belegen, da es genau im Grenzgebiet verschiedener Gaue lag. Der Begriff "Hessen" taucht erstmals Anfang des 8. Jh. auf.

Die Christianisierung

Als Gegenleistung für die Unterstützung des karolingischen Machtanspruches durch den Papst in Rom und zur Sicherung der Grenze zum nahen Sachsenland betrieben die fränkischen Herrscher nunmehr die Christianisierung unseres Gebietes. Die Gründung der Klöster Fulda (744) durch Bonifatius und Hersfeld (769) durch Lullus in unserer unmittelbaren Nähe bestimmten im wesentlichen den Verlauf der Geschichte von Schwarz in den nächsten Jahrhunderten.

Falsche und echte Urkunden

Waren schriftliche Unterlagen über unser Gebiet bisher praktisch nicht vorhanden, so änderte sich dies mit der einsetzenden Christianisierung. Die in dieser Zeit erstellten Schriftstücke wurden fast ausschließlich von kirchlicher Seite verfasst. Mit dem Datum 31. August 782 taucht nun eine Urkunde der Abtei Hersfeld auf, in der Besitzansprüche an Fulda erhoben werden. Auch "Suarzaha" wird als einer der Grenzpunkte genannt. Doch leider handelt es sich hierbei um eine Fälschung aus dem Jahr um 1057, die zudem nur einen Bachlauf "Suarzaha" erwähnt. Dennoch wurde von allen Forschern in den letzten 250 Jahren das Jahr 782 als urkundliche Ersterwähnung von Schwarz gehandelt, der Ort wäre damit mehr als 1200 Jahre alt. Wenn auch damals schon eine Siedlung hier existiert haben sollte, für eine gültige Ersterwähnung reicht dies nicht aus und Schwarz musste noch 500 Jahre auf seine erste Nennung warten. Um 1140 erscheint zwar der Name "Swarzaha" in einem Fuldaer Kopialbuch, doch die anerkannte urkundliche Ersterwähnung erfolgte erst im Jahre 1295. Der Anlass war die Nennung des Pfarrpriesters Herbord in "Suarzahe".

Vögte und Gerichtsherren

Da die kirchlichen Einrichtungen ihre oft riesigen Besitzungen nicht allein verwalten konnten, Fulda besaß etwa 450.000 Morgen Land, setzte man Vögte ein, die beispielsweise die Blutgerichtsbarkeit und auch die profanen Geschäfte zwischen geistlichen Grundherren und Lehensnehmern abwickeln sollten. Die mächtigen nordhessischen Grafen v. Ziegenhain übten seit 1111 in unserem Gebiet die Vogteirechte aus. Die Lehensnehmer waren hier zunächst die Herren v. Romrod, 1341 teilten sie sich das "Gericht Schwarz" je zur Hälfte mit den Fink v. d. Altenburg, und schließlich traten als weitere Lehensnehmer in verschiedenen Konstellationen noch die Herren v. Liederbach und v. Merlau in Erscheinung.

Das Gericht Schwarz

Im 13. Jh. bildete sich das Gericht Schwarz. Zum diesem Gericht gehörten noch die Orte Brauerschwend, Rainrod und Renzendorf, die Wüstungen Ober- und Nierderkelberg, Oberschwarz, Lenzenrod, Eichenrod, sowie der Finkenhof und der Liederbacher Hof. Während die Vögte in der Regel die hohe Gerichtsbarkeit (Blutgerichtsbarkeit, Blutbann, "Gericht über Hals und Kopf") ausübten, verrichteten die Lehensnehmer, so z. B. die Herren v. Romrod, die niedere Gerichtsbarkeit. Die Grenzen zwischen hoher und niederer Gerichtsbarkeit waren jedoch fließend und oft willkürlich, es kam jeweils auf die Umstände an. So hatten beispielsweise die "Freien Eisenbachischen Männer", d. h. die Riedesel zu Eisenbach, im Gericht Schwarz ganz besondere Freiheiten: Wenn sie zu einer Strafe verurteilt wurden, genügte es, drei Heller oder ein ungelochtes Hufeisen in die Gerichtsrunde zu werfen, bevor die Gerichtsherren aufstanden, so waren sie straffrei. Auch konnten sie fremdes Holz in den Wäldern schlagen, und wenn der Wagen soweit gefahren war, daß das hintere Rad dahin kam, wo das vordere gestanden hatte, so gehörte das Holz ihnen, ja, der Förster mußte ihnen sogar noch helfen. Von diesen Rechten machten die Eisenbacher zum Ärger der hiesigen Gerichtsherren auch regen Gebrauch.

Getrennte Wege – Schwarz und Grebenau

Ab ca. 1260 begann eine Entwicklung, die zur Folge hatte, dass sich die Wege von Schwarz und seiner landschaftlich zusammengehörenden Orte des heutigen Gründchens vollkommen auseinanderentwickelten. Die Grafen v. Ziegenhain zettelten von ihrer fuldischen Vogtei Grebenau aus einen Streit mit dem Fuldaer Abt Berthous, dem sie jedoch unterlagen. Sie bekamen zur Auflage ihre Besitzungen in und um Grebenau zu verkaufen. Der Johanniterorden Nidda erwarb diese und andere Güter und gründete schließlich eine Kommende in Grebenau. Die Schwärzer Lehensherren, die v. Romrod, hatten sich aus dem Streit herausgehalten, und wurden von den Restriktionen des Abtes nicht weiter berührt. So kam es, dass Schwarz unter den Rittern weiterhin ein adliges Gericht blieb, während Grebenau, Udenhausen, Eulersdorf und Reimenrod bis 1526 einer geistlichen Institution angehörten und dann hessisch wurden.

Die Landgrafschaft

Die Landgrafschaft hatte sich seit etwa dem 12. Jh. von kleinen zerstückelten Gebietsteilen aus zu einer beherrschenden Macht geformt. 1122, nach dem Tod von Graf Giso IV., gingen zunächst dessen Gebietsteile an die Landgrafen von Thüringen. Bereits jetzt deutete sich ein Konflikt um die Vorherrschaft in Hessen mit den Erzbischöfen von Mainz an, der in den nächsten Jahrhunderten für die entstehende Landgrafschaft immer wieder zu einem Unruheherd und einer Bedrohung wurde. Nach dem Tode von Lgf. Ludwig IV. auf einem Kreuzzug 1227 bezog dessen Gemahlin Elisabeth ihren Witwensitz in Marburg, wo sie sich ganz in den Dienst für die Armen und Kranken stellte. Bereits wenig später, 1231, starb die Heilige Elisabeth an Erschöpfung. 1248 starben auch die Ludowinger, die Thüringischen Landgrafen, aus, und es entbrannte ein Streit um das Erbe. In dieser Situation erschien eine Tochter der Hl. Elisabeth, Sophie v. Brabant, und proklamierte ihren erst 4-jährigen Sohn Heinrich zum Herren Hessens. 1264 schloss Heinrich I. Frieden mit Mainz und den Erben v. Thüringen, und begründete damit die selbstständige Herrschaft in Hessen. Neben Auseinandersetzungen mit Mainz kam es in den nächsten Jahrzehnten immer wieder zu Konflikten mit den mächtigen nordhessischen Grafen v. Ziegenhain, zu deren Fuldaer Vogtei-Gebiet auch Schwarz gehörte. Die 2. Hälfte des 14. Jh. war von unvorstellbaren Katastrophen geprägt. Die Pest, Unwetter, Heuschrecken, Erdbeben und das ausufernde Fehdewesen rafften die Bevölkerung dahin, und ließen die Hälfte aller hess. Dörfer wüst werden. In dieser Zeit, 1398, erschien nun ein neuer Interessent, Landgraf Hermann II., der nach und nach immer mehr Güter im Gericht Schwarz zukaufte, um damit Einfluss in Fulda zu gewinnen, und die ziegenhainischen Vögte zu schwächen. Mit dem Sieg über Mainz 1427 verlor die Landgrafschaft ihren langjährigen Widersacher. Im Folgenden wurden die Landgrafen durch Zuerwerbungen und Erbschaften immér beherrschender. Schließlich erwarben sie 1450, nach dem Tode von Graf Johann II. (ohne Nachkommen), auch das Ziegenhainer Gebiet, womit erstmals auch das Gericht Schwarz vollständig unter die Herrschaft der Landgrafen, zunächst als Fuldaer Vögte, gelangte.

Die Reformation

Die nächsten großen Veränderungen in Hessen, und damit auch in Schwarz, brachte das Wirken Martin Luthers mit sich. Landgraf Philipp d. Großmütige war einer seiner größten Anhänger, und führte schließlich 1526 in Hessen die Reformation ein. Bisher Vögte über das Fuldaer Gebiet, wurden die Landgrafen mit der Säkularisation des kirchlichen Besitzes nun deren Eigentümer. Die niedere Gerichtsbarkeit verblieb bei den alten Gerichtsherren bis zu deren Absterben, zuletzt jedoch durch Abtretung der Herren v. Merlau 1570. Seit 1547 versah ein evangelischer Pfarrer in Schwarz seinen Dienst.

Der Dreißigjährige Krieg

Nach dem Tode Philipp d. Großmütigen wurde Hessen 1568 unter seinen vier Söhnen aus erster Ehe geteilt. Oberhessen kam zur Landgrafschaft Hessen-Marburg, die jedoch nur bis 1604 bestand, und dann unter den noch bestehenden Landgrafschaften Kassel und Darmstadt aufgeteilt wurde. Zu letzterer kam auch das Gericht Schwarz, das exakt an der Grenze zwischen Darmstadt und Kassel lang. Fatal für Hessen war der Übergang Kassels zum Calvinismus. Hieraus, und aus dem Streit um das Oberhessische Erbe von 1604, erwuchsen Spannungen, die beide Teile Hessens entzweiten, und Oberhessen zu einem Hauptschauplatz des Dreißigjährigen Krieges machen sollten. 1608/1609 entstanden zwei nach der Konfession ausgerichtete Kampfbünde: die Protestantische Union unter Führung der calvinistischen Kurpfalz und die Katholische Liga unter der Führung des Herzogs v. Bayern. Das reformierte Kassel schloss sich der Union an, während Darmstadt unter dem Kaiser-Freund Lgrf. Ludwig V. zunächst neutral blieb.
Der Prager Fenstersturz 1618, bei dem zwei kaiserliche Ratsherren von der aufgebrachten Menge aus dem Fenster gestürzt wurden (sie überlebten), bildete den Auftakt zum Sturz (1619) des böhmischen Königs Ferdinand II., der den katholischen Glauben im Böhmen wieder herstellen wollte. Wenig später wurde der Führer der protestantischen Union Friedrich V. zu seinem Nachfolger im Amt des Königs gewählt. Als ein Jahr später, 1620, ausgerechnet der abgesetzte Ferdinand in Frankfurt zum Kaiser gewählt wurde, waren kriegerische Auseinandersetzungen unausweichlich. Dessen Rachepläne richteten sich auch sogleich auf Friedrich V., der in einem kurzen Gefecht unterlag, floh, und damit als der "Winterkönig" in die Geschichte einging. Nun verlagerte sich der Kriegsschauplatz zunehmend in die Mitte Deutschlands. Zunächst fielen mit dem Kaiser verbundene spanische Truppen in die Kurpfalz des geächteten Winterkönigs ein, und verwüsteten dabei auch Gebiete calvinistischer hessischer Grafen. Der pfälzische Söldner Graf Ernst zu Mansfeld marschierte im Gegenzug 1622 in Darmstadt ein und verhaftete den neutralen aber kaiserfreundlichen Lgrf. Ludwig V., während der Herzog v. Braunschweig, genannt der "Tolle Halberstädter" von Norden her plündernd und brandschatzend in die Lgrfsch. Hess.-Drmst. einfiel. Im Gericht Schwarz richtete der Herzog Schäden von fast 30.000 Gulden an, nicht gerechnet das menschliche Leid. Seine Truppen wurden jedoch wenig später von der kaiserlichen Armee unter Tilly geschlagen. 1623 mußte Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, nun ohne jeglichen Rückhalt, auf seine Ansprüche auf das Marburger Erbe verzichten, Oberhessen wurde nun vollständig Darmstadt zuerkannt, und die kaiserlichen Ligatruppen besetzten unter Tilly für die nächsten 8 Jahre Hessen-Kassel.
Mit der Landung der protestantischen Schweden unter ihrem König Gustav Adolf 1630 in Pommern sah auch Lgrf. Wilhelm V. von Hessen-Kassel die Chance, die schmerzliche Niederlage seines Vaters Moritz wettzumachen, und unterstellte seine im geheimen aufgebauten Truppen dem Schweden. Schon 1630 gelang es dem Kasseler die kaiserlichen Truppen aus seiner Landgrafschaft zu vertreiben. Bei diesen Kämpfen wurde wiederum Schwarz, durch Kaiserliche unter Fugger und Tilly einerseits, und Schweden andererseits, schwer heimgesucht. Lgrf. Georg II. erreichte in persönlichen Verhandlungen mit dem schwedischen König jedoch die Anerkennung der Neutralität Hessen-Darmstadts, und damit den Verbleib Oberhessens in dieser Landgrafschaft, zum Ärgernis des Kasseler Landgrafen, der noch immer das Marburger Erbe beanspruchte. Das Kriegsglück der Schweden und ihrer protestantischen Verbündeten dauerte schließlich, abgesehen vom Tode Karl Gustavs 1632, bis ins Jahr 1634, als die Schweden in der Schlacht bei Nördlingen unterlagen, und sich vorläufig nach Norddeutschland zurückzogen. Der 1635, ein Jahr später, geschlossene Frieden von Prag ließ die Bevölkerung hoffen, doch er war trügerisch, es sollte alles noch schlimmer kommen.
Nur vier Monate später betrat ein neuer Teilnehmer den Kriegsschauplatz: Frankreich. Mit dem Prager Frieden sah sich das (katholische!!) Frankreich – umgeben von den Habsburger Territorien, zu denen auch Spanien, Italien und die Niederlande zählten – um die Früchte seiner Politik gebracht. Schon lange vorher hatten sie die Gegner der habsburgischen Kaiser finanziell unterstützt, um deren Macht zu schwächen, und wohl auch das eigene Herrschaftsgebiet zu erweitern. Die beteiligten Parteien überboten sich nun in der Verwüstung des Landes. Erschwerend hinzu kam die seit Jahresbeginn 1635 wütende Pestepedemie, die infolge der ständigen Truppenbewegungen rasche Nahrung fand. Zudem setzte, durch die ausgefallene oder von Soldaten zerstörte oder beanspruchte Ernte, eine große Hungersnot ein. Wilhelm V. von Hessen-Kassel konnte sich mit Ergebnissen des Prager Friedens nicht anfreunden und verbündete sich erneut mit den Schweden und Frankreich. Des Krieges müde, wurde er jedoch 1636 nach neuen Agressionen vom Kurfürstentag mit der Reichsacht belegt, und Lgrf. Georg II. von Hessen-Darmstadt zum Administrator für ganz Hessen gemacht. Zur Bestrafung Wilhelms V. ließ Ferdinand III. 1637 seine gefürchteten kaiserlichen Kroatenregimenter in Hessen-Kassel einmarschieren, die, wo immer sie sich hinwendeten Angst und Schrecken, Tod und Verwüstung hinterließen. Hunderte verwüstete Dörfer, 47 zerstörte Ritterburgen und 18 verbrannte Städte sind die Bilanz des sogenannten "Kroatenjahres". Auch in Schwarz hatten die Balkaner zum Schrecken der Bevölkerung Quartier bezogen.
Doch noch 1637 verstarb Lgrf. Wilhelm V. und Amalie Elisabeth, seine Witwe, übernahm die Regentschaft über Hessen-Kassel. Entschlossen den Kampf fortzusetzen, erneuerte sie ihre Bündnisse mit Schweden und Frankreich, und ließ, trotz laufender Friedensverhandlungen, ihre Truppen 1645 unter Johann Geyso in Hessen-Darmstadt einmarschieren. Ein letzter erbitterter Kampf um das Marburger Erbe entbrannte, und ging als der "Hessenkrieg" in die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges ein. 1645 und 1646 wurden viele Städte Hessen-Darmstadts von Geysos Truppen erobert (Alsfeld am 14.10.1646) und die Franzosen besetzten die Landgrafschaft. 1647 griffen noch einmal die kaiserlichen Truppen ein, um Lgrf. Georg II. von Hessen Darmstadt zu unterstützen. Doch es ging schon lange nur noch um strategische Ausgangspositionen für den sich abzeichnenden Friedensschluss, der 1648 als "Westfälischer Frieden" die seit 1618 andauernden Kriegshandlungen beendete. Die Bilanz von 30 Jahren Krieg ist erschreckend. Teilweise 70-90% der hier ansässigen Bevölkerung fiel den kriegsbedingten Auswirkungen zum Opfer, eine Vielzahl der Ortschaften lag gänzlich wüst, Handwerk, Bergbau oder Landwirtschaft waren kaum noch wahrnehmbar. Noch schlimmer, in Hessen hatte es praktisch kaum Gebietsveränderung gegeben, dies alles jedoch um den entsetzlichen Preis von Verwüstung und Menschenleben.

Weitere Kriegswirren

Aus der Zeit nach dem großen Krieg gibt es zunächst wenig zu berichten. Die Not war groß, und die allgemeinen Verhältnisse standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. Doch nur 100 Jahre später begann sich das Kriegskarussel wieder zu drehen, die Herrscher im noch kleinstaatlichen Deutschland hatten wenig hinzugelernt, und die Region Oberhessen wurde wiederum durch die gegensätzlichen Interessen der beiden Landgrafschaften mehr als notwendig vom Kriegsgeschehen betroffen. Zunächst waren es der Österreichische Erbfolgekrieg (1741-1748), der Siebenjährige Krieg (1756-1763) und die frz. Revolutionskriege (1792-1798) von denen in den Kirchenbüchern ausführlich berichtet wird. Im Allgemeinen waren es jedoch nicht Kriegshandlungen, die zur Not in der hiesigen Bevölkerung vorwiegend beitrugen, sondern die Truppenbewegungen mit den damit einhergehenden Einquartierungen, Repressionen, Beschlagnahmungen und Kriegsdienstleistungen. Das neue Jahrhundert begann, wie das alte geendet hatte. Die französische Besatzung durch Napoleon, der zuvor Österreich und Preußen ausgeschaltet hatte, brachte wieder die schon oben beschriebenen Belastungen mit sich. Der Versuch der uneingeschränkten Herrschaft in Europa scheiterte jedoch 1812 in Rußland. Nur eine Handvoll, der über 5000 Mann starken großherzoglich-hessischen Brigade auf seiten Frankreichs sah die Heimat wieder; auch aus Schwarz waren Opfer zu beklagen. Kurze Zeit später wechselte das Großherzogtum Hessen, wie zuvor schon das Königreich Westphalen (mit der früheren Landgrafschaft Hessen-Kassel), zur Allianz gegen Napoleon. Der Wiener Kongress wandelte 1815 das napoleonische Staatsgebilde Westphalen wieder in Kurhessen. Doch schon 1866 wurde es von Preußen annektiert, nachdem es sich wie auch Darmstadt im Deutschen Krieg gegen Preußen mit dem späteren Verlierer Österreich verbündet hatte. Zwar versuchte Preußen unter Bismarck auch Oberhessen an sich zu ziehen, doch konnte dies Darmstadt mit dem Schutz seiner russischen Verwandten verhindern.

Auswanderungen nach Amerika

Ein Blick in Amerikas Telefonbücher erstaunt, lassen sich doch viele der Namen deutschen Ursprungs direkt auf eine Herkunft in Oberhessen zurückführen. Unter anderem zwei Gründe sind dafür maßgebend: die Subsidienvertäge und die Armutsauswanderungen. Zunächst um ihr stehendes Heer zu unterhalten schnell aber als einträgliches Geschäft, vermieteten die hessischen Herrscher ihre Armeen in Subsidienvertägen an andere Staaten. 1776 wurden England mehr als 20000 hessische Soldaten für die Niederwerfung der amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen zur Verfügung gestellt. Nach anfänglichen Erfolgen wurden die hessischen Regimenter jedoch vom Rebellengeneral George Washington, dem späteren 1. Präsidenten der Vereinigten Staaten, geschlagen. Viele hessische Söldner siedelten nach dem Kriege in Amerika.
Auswanderungswellen hatten schon im 17. und 18. Jh. stattgefunden, die letzte größere Welle führte gegen Mitte des vorigen Jh. nocheinmal zu einem spürbaren Schwund in der oberhessischen Bevölkerung. Der Grund hierfür war zum einen die hohe Zahl der hier ansässigen Leinweber, die durch die beginnende Industrialisierung arbeitslos wurden, zum anderen das Verarmen die Bauern, die sich, infolge der Ablösung von den Feudallasten und dem damit einhergehenden Erwerb von eigenem Besitz, überschuldet hatten.

Das 20. Jahrhundert

Das neue Jahrhundert begann zunächst im Zeichen des technischen Fortschritts und einer verbesserten Infrastruktur. Nachdem in der 2. Hälfte des vergangenen Jh. bereits die Straßenverbindungen ausgebaut worden waren, erhielt Schwarz in den ersten Jahren des neuen Jh. einen Anschlußss an das Telegraphennetz, 1911 ein Wasserleitungsnetz, 1916 eine Bahnstation und 1923 die Stromversorgung.
Doch auch dieses Jahrhundert erlebte kriegerische Auseinandersetzungen, die schließlich ein bisher kaum gekanntes Ausmaß erreichten. Die Ursachen, der Verlauf und die Auswirkungen der beiden Weltkriege sind hinlänglich bekannt, und sollen hier nicht weiter erörtert zu werden. Der Ort Schwarz selbst hatte zwar nur geringe materielle Schäden zu verzeichnen, die menschlichen Verlusste waren jedoch um so größer: Der 1. Weltkrieg kostete 39, der 2. Weltkrieg 65 Soldaten das Leben, hinzu kam das menschliche Leid der Hinterbliebenen und die Kriegsfolgelasten. Die territoriale Folge der Weltkriege war, daß sich Schwarz 1918, nach Absetzung des Großherzogs Ernst Ludwig, im "Volksstaat Hessen", nach dem 2. Weltkrieg 1945 in "Groß-Hessen" (einschl. Kurhessen und Nassau) bzw. 1946 im "Bundesland Hessen" wiederfand. 1972 verlor Schwarz im Zuge der Gebietsreformen seine kommunale Selbständigkeit und wurde eingemeindet.
Die Neugestaltung der Hauptverkehrsstraße und der 1998 begonnene Bau einer gemeinschaftlichen Einrichtung verleihen dem Ort ein schmuckes Aussehen und lassen hoffen, dass das neue Jahrtausend nicht im Zeichen des Stillstands, sondern des Fortschritts und auch des Friedens stehen wird.